Both sides of the story

Vor Jahren ging ich mit einem großen – auf dem Flohmarkt erworbenen – Stickbild durch einen Park. Die Stickarbeit zeigte auf der Vorderseite „Reiter und Pferde“. Ich trug das Bild mit der Rückseite nach außen, da rief mir einer der Männer auf den Parkbänken zu: „Schöne Kunst!“

Aus dieser zufälligen Begegnung entstand die Arbeit „Both sides of the story“, und seither sammle ich die oft großformatigen Stickbilder; löse sie aus den Rahmen und spanne die Rückseite nach vorne. Nicht selten sind diese Arbeiten sehr wertig gerahmt, es finden sich Etiketten der Rahmengeschäfte und viele Nägel spannen – für die Ewigkeit sozusagen – das Gewebe.

Es ergeben sich überraschend neue Sichtweisen, die nichts mehr mit den Stickmotiven der Vorderseite zu tun haben.

„Both sides of the story“ ist ein „historisches Zeitzeugnis“. Sie würdigt diese „leise Arbeit der StickerInnen“ und stellt sie in einen weiten Raum. Aus welchen Gründen auch immer diese oft sehr aufwändig gestalteten Stickbilder entstanden, heute finden sie sich in unserem Kulturkreis so gut wie überhaupt nicht mehr.

Die Stickbilder zeigen „gedruckte, vorgefertigte Sujets“ (Stilleben, Landschaften, Portraits ...), die ausgestickt wurden. Auf der Rückseite (!) findet sich die „individuelle Handschrift“ der StickerInnen und es entstehen (unbedacht und ungewollt) ganz eigene Zusammenklänge aus Farbe und Linie beim Verwahren der Fäden.

Diese Arbeit fordert unsere Sehweise heraus. Sie lässt uns scheinbar Bekanntes neu sehen.

Astrid J. Eichin

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