Wintervorbereitung

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Zwölf Kissen aus Plastikfolie, bedruckt mit "Sinnsprüchen", Füllung aus Naturmaterialien (oben: Dinkel, Lärchennadeln, Waldrebe / unten: Bucheckern, Maishaare, Hagebutten) je 44 x 38 cm, September 1997 bis Februar 1998
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In der "guten Stube" der Großeltern war es meist etwas kühler als in den sonstigen Räumen. Sie war besonderen Gelegenheiten vorbehalten und wurde nur zu diesen Anlässen beheizt. In diesem Raum stand eine Couch; darauf drei "Sofakissen mit Kniff". Im Flur zwei Wandteller mit "Sinnsprüchen". Der nahe Kontakt zu meinen Großeltern (1893 u. 1903 geboren), ihre Erfahrungen, die Erzählungen aus ihrem Leben, haben meine Vorstellung von Zeit und persönlicher Geschichte nachhaltig geprägt. Immer wieder erzählten sie von der sogenannten "schlechten Zeit": den Schwierigkeiten, Essen zu beschaffen, den Fahrten aufs Land zu den Bauern um zu betteln oder zu tauschen, dem täglichen Überlebenskampf.

Zwölf Sofakissen entstanden, aus Plastikfolie genäht, mit Sinnsprüchen bedruckt und Naturmaterialien gefüllt: "Vorbereitung für einen langen Winter". Eingebunden in den Rhythmus des Jahres und seines Nahrungsangebots; Zeiten der Fülle und der Einschränkung. Einwecken, trocknen und dörren, einlagern, vakuumisieren, einfrieren. Doch erwecken diese Kissen nur den Anschein von "Sofakissen" und entbehren deren Gemütlichkeit. Wer wollte sich schon mit Bucheckern im Rücken entspannt zurückzulehnen? In ihrem Versuch, etwas "haltbar zu machen" - Sichtbares und Unsichtbares - sind sie angesiedelt "zwischen den Zeiten".

Aus der Rede zur Ausstellungseröffnung im Markgräfler Museum / Müllheim / 1999 Dr. Antje Lechleiter:

"Das Leben im Einklang mit den Jahreszeiten und das Haushalten mit dem, was die Natur zeitweise zur Verfügung stellt, wird in mehreren ausgestellten Serien thematisiert: In dieser Vitrine finden Sie die Arbeit 'Vorbereitung für einen langen Winter'. Hier wurden Plastikkissen mit Naturmaterialien gefüllt; wir finden Bucheckern, Eicheln, Gras, Hagebutten, Herbstlaub, Hortensienblüten, Kastanien, Lärchennadeln, Mais, Maishaare, Rosenblätter und Samen der Waldrebe. Frau Eichin erzählte mir, wie mühsam es teilweise war, die Kissen mit dem Gesammelten voll zu bekommen. Manche Früchte wie die z.B. nicht gerade einfach zu sammelnden Hagebutten schrumpfen beim Trocknen ein und die Künstlerin musste mehrmals losziehen und immer wieder Nachschub besorgen. Da konnte manchmal die Zeit knapp werden, da die Saison der Früchte nicht immer sehr lange dauert. Die Früchte wurden in Plastikkissen verpackt – ein Hinweis darauf, dass wir mit dieser Arbeit nicht in die sogenannte 'gute alte Zeit' zurückversetzt werden sollen… Die Werke versetzen uns weder ganz in die Vergangenheit – noch erleben wir ein eindeutiges Abbild der Gegenwart. Wir sind nicht hier und nicht dort – Motive der Erinnerung und des Alltags überkreuzen sich und eröffnen neue Perspektiven und Denkweisen. In einer früheren Ausstellung wurden die Kissen einzeln auf 12 Stühlen präsentiert. Sie wurden mit dem damals unvermeidlichen Knick in der Mitte versehen und verstärkten so den Aspekt der beschriebenen 'Erinnerungskissen'."