Nesselhemd

Metamorphosen
Brennesseln geklopft und verwoben
ca. 110 x 70 cm, 1997
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Im Märchen "Die wilden Schwäne" von Hans Christian Andersen lesen wir:

"Deine Brüder können erlöst werden! … Siehst Du die Brennesseln, die ich in meiner Hand halte? Von derselben Gattung wachsen viele um die Höhle, in welcher Du schläfst ...
Brichst du nun die Nesseln, so erhältst du Flachs, aus dem du elf Panzerhemden mit langen Ärmeln flechten und binden musst; wirf diese über die elf Schwäne, so ist der Zauber gelöst. Aber sei dessen eingedenk, dass du von Beginn bis Beendigung dieser Arbeit… nicht sprechen darfst. … Merke dir dies alles!"

Ich hatte von der Herstellung von feinem Tuch aus Nesseln gehört, welches durch seine große Dichte und den edlen Glanz begehrt war. In die Bilderwelt des Märchens eintauchend, wusste ich jedoch, dass in jener Waldabgeschiedenheit kein Webstuhl gestanden hätte, um die Hemden anzufertigen. Wie hätte Elise mit einfachsten Mitteln ein Nesselgewebe in Hemdenform anfertigen können?
Langstielige Brennesseln klopfte ich zwischen zwei Steinen flach und verwob die Stängel zu einem Kreuzgewebe. Während des Arbeitens musste ich die faserigen Stile immer wieder anfeuchten, um ihre Geschmeidigkeit zu bewahren und sie vor dem Brechen zu schützen; später getrocknet erwies sich das Nesselhemd als ausgesprochen haltbar und widerstandsfähig.

Metamorphosen

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