Hab' keine Angst

Metamorphosen
Stacheldraht gewoben, dann gerostet
ca. 130 x 110 cm, 2004/05
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Einen meiner ersten Mäntel wob ich 1997 aus Brennesseln. Hülle, Schutzmantel, Abwehrzauber und Erlösung, wie im Märchen von H. Chr. Andersen beschrieben. (siehe auch "Nesselhemd") Was, wenn ich dieses Bild noch weiter treiben, die Schutz-Hülle noch extremer gestalten würde?
2004 stand dann die Stacheldrahtrolle in meinem Atelier; monatelang.
Metallisch glänzend mit messerscharfen Spitzen. Langsam und achtsam musste ich mich diesem Material nähern, welches keine Träumerei duldete. Unachtsamkeit hatte sofortige Folgen.
Ich hatte Monate - die sich auf über ein Jahr ausdehnten, um mich darin zu üben! Es war nicht der Wunsch nach dem Abschluss dieser Arbeit, der mich hindurch trug durch den mühevollen Prozess der Anfertigung. Worauf ich hinarbeitete war Zeuge jenes Wandlungsprozesses zu sein, in welchem der kettenhemdartig-glänzende, wehrhaft - scharfspitzige Stacheldrahtmantel hinter den Wänden der Galvanisierungsanlage verschwand um zu rosten. Es war ungewiss, ob die Säurekonzentration vielleicht sogar das Drahtgewebe gänzlich auflösen würde.
In verwandelter Erscheinung ging nun eine gerostete, der Vergangenheit angehörende Hülle daraus hervor. Als feines Detail hatte sich beim Verflechten der Drähte durch deren Eigenspannung eine Wölbung gebildet, so dass der Mantel nun zugleich an einen verlassenen Kokon nach dem Schlüpfen erinnert.

Metamorphosen

Detail
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