Selbstbild

Selbstbild Astrid J. EichinWandlungs-Prozesse faszinieren mich.
Manch' Leises, was sich dem flüchtigen Blick entzieht,
begleite ich durch Beobachtung
der äußeren Erscheinung und Dokumentation.

Achtsamkeit, Respekt, langer Atem als Wegbegleiter.

Amaryllis.
Langes Winterwarten -
über Zwiebelbraun
trägt Blüten siebenfach.

Fingerspitzenkuppen
sticken
Schweißtropfenbänder.

Aufgewachsen in ländlicher Umgebung. Bei Familienspaziergängen lehrte mein Vater uns vieles über die Tierwelt;
meine Mutter teilte ihre Liebe und ihr Wissen über die Pflanzen mit uns.
Mein großes Interesse an Biologie und Naturphänomenen.
Dem europäischen Wechsel der Jahreszeiten fühle ich mich sehr verbunden.

Naseweis -
Buschwindröschen und Brennessel.
Aus trockenen Blättern spießt zartes Grün.
Zitternd beim leisesten Windhauch.

Schneeflockenwirbel im Kopf.
Dunkel. Ohne Sicht.
Verlassen. Von allen Sinnen.
Fallend. In mich hinein.
Schneeflockenwirbel vor den Augen.
Weiß - alle Wege.

Widerstände als Herausforderung etwas zu lösen, zu wachsen.
Ich genieße es, mich körperlich zu bewegen.

Flußsteingleich.
Umflossen von erdbrauner Strömung.
Aufbäumen am Widerstand.
Herbstlaub fällt besänftigend.

Schaum vor dem Maul.
Tänzelnd die inneren Pferde.
Blasen an den Händen.
ICH lenke euch!

Aus dem Anschauen meiner Vergangenheit, meiner Prägungen – der Versöhnung und
Akzeptanz dessen, was war - erwuchs mir innere Freiheit. Leichtigkeit. Humor.

Altweibersommer.
Spinnenfäden - durch Generationen.
Fliegenkleberleim. Reißfest.
Fäden spinnen - durch Generationen.
Fallschirmseide. Reißfest.

Ich liebe es, zu reisen! Eine Gegend zu Fuß entdecken. Sonnenuntergang und Mondsichel
zugleich aus der Sicht des Flugzeugfensters. Regenbogenfische mit dem Schnorchel im Mund.
Landschaften ziehen am Zugfenster vorbei.
Dankbar für die Zeiten, wo ich als "Gast" für eine Weile in einer anderen Kultur, einem
anderen Land leben konnte. Ligurien. Maine. Florida.

Reiselust. Gen Norden.
Nebelpforten öffnen sich.
Struppiges Land.
Weit breite ich die Arme aus -
Durchkämme den verfilzten Pelz.
Birkenreiser zwischen feuchten Fingern.
Heidesand unter den Nägeln.

Begegnungen. Welche Fülle an Lebensformen und Ausdruck der eigenen Geschichte!
Eindeutigkeit wird zu Vielschichtigkeit und Herzensweite.

Marktfrauenhände.
Erde – in tiefe Rillen gegraben.
Mir gereicht:
Kürbisorange. Brombeerschwarz. Asternviolett.

Angerührt, bisweilen auch erschüttert von der Fragilität des Lebens.
Krankenpflege. Endlichkeit. Die Kostbarkeit des Augenblicks.

Zu wissen: mein letzter Frühling.
Wasser aus dem Mundwinkel über trockene Lippen.
Augen in tiefem Blau.
Nur wenige Worte haben Bestand.

(Für Frau S.)

Versuch. Lesen in deinem Gesicht.
Was willst Du sagen.
Der Mund öffnet sich. Gurgelnde Laute.
Augenfunkeln.
Lippen verziehen sich zu einem Lächeln.
Wortlosigkeit. Abgrundtief.

(Für Frau R.)

Horchend. Ganz Ohr. Tastend. Be-greifend. Fingerspitzengefühl. Betrachtend. Staunend. Augen
machen. Duft und Geschmack und Sinnenfreuden.

Frühlingsgartenteich.
Kaulquappengetümmel.
Halme schieben sich aus dem Grund.
Über-Fülle.
Sonnenlichttrunken. Ich.

Und -

Atemzug um Atemzug
zieht die Liebe
Ackerfurchen durch mein Herz.

... und alles spricht: Jetzt.