Selbstbild

Herzensgut

Herzensgut
altes Bauernleinen, Farbe, Blattgold und Fingerabdrücke,
50 m Goldkordel, ca. 130 x 110 cm, 2011
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Bei der Ausarbeitung meiner Ausstellung in Mosbach war ich sofort fasziniert vom Bestehen einer Simultankirche und dem Mauerdurchbruch der Gemeinden im Jahre 2008. Diese Geschichte verbunden mit den baulichen Gegebenheiten der beiden Türen sollte einen Ausdruck finden in der Gestalt eines für diesen Ort konzipierten Mantels:
Die meisten meiner "Hüllen und Häute" greifen eine historisch schon weit zurückreichende "T-Form" auf. Altes Bauernleinen bildet das "Grundgewebe" des für die Stiftskirche / St. Juliana entstandenen Gewandes: es steht für "Kirchen- und Zeitgeschichte".
Der entstandene Mantel ist aus zwei Hälften gearbeitet, die nicht miteinander vernäht sind. Auf jedem der beiden Mantelteile findet sich die Hälfte eines mit Blattgold auf das Gewebe aufgebrachten Herzens. Goldene Verbindungs-Schnüre führen durch die geschlossenen Türen hin zur anderen Mantelhälfte.
Sie symbolisieren die Verbindung zwischen uns Menschen auf der Herzensebene. Verbindung kann nicht "von oben oder außen" verordnet werden - sie wird dann lebendig, wenn wir Menschen - in diesem Fall die Gemeinden - uns begegnen und uns einander zeigen.
Es finden sich auf dem Leinengewebe weiße Felder, die Samen- oder Wassertropfen- Form haben. Das Samen- oder Wassertropfenmotiv erinnert uns daran, dass solche Prozesse Zeit benötigen, Pflege und Achtsamkeit - gleich der Pflege eines Gartens. Auch mögen sie uns an das Pfingstfest erinnern, an die "Feuerflammen des Heiligen Geistes", durch den die Verbindung über alle Sprach- und Verständigungsgrenzen hinweg geschieht.
Am Sonntag der "Wiederkehr der Maueröffnung" und dem anschließenden ökumenischen Gemeindefest hatten die Besucher die Möglichkeit, ihren goldenen Fingerabdruck auf den Mantelhälften zu hinterlassen.

Herzensgut Detail

Detail
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

to shed one´s shell

Metamorphosen
Zwölf Folienmäntel
ca. 125 x 120 cm, 1996 – 98
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Die zwölf Mäntel dieser Arbeit beschreiben den Zeitraum eines Jahres, in welchem ich an verschiedenen Orten in den USA lebte.
In Maine, erfuhr ich von einem Hummerfischer, dass diese Tiere sich immer wieder häuten um zu wachsen; nach der Häutungsphase haben die "lobster" eine sogenannte "soft shell", die weich und verletzlich ist.
Unsere Sprache kennt verschiedene Bilder, in denen von Haut die Rede ist, die jedoch Ausdruck von Gefühlen und Innerlichem sind: etwas geht mir unter die Haut, jemand ist dick- oder dünnhäutig, jemandem auf die Pelle rücken, seine Haut zu Markte tragen, es ist zum aus der Haut fahren ...
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, der sichtbaren Häute eines Jahres. Die Monats-Häute bestehen wie eine Patchwork Decke aus zusammengenähten Einzelteilen; dreißig Taschen haben einen sichtbaren Inhalt: Fundstücke, Photographien, Sprachbilder.

August '96 - September '96 in Maine / USA Eingearbeitet: Algen, Herbstblätter, Sprachbilder

Oktober '96 - November '96 in Florida / USA Eingearbeitet: Küsten-fundstücke, Palmfasern, Sprachbilder

Dezember '96 – März '97 in Massachusetts / USA Eingearbeitet: Birkenrinde, Fernsehbilder, Eis-Wasser-Feuer-Fotos, Asche, Sprachbilder

April '97 - Juli '97 im Wiesental / D Eingearbeitet: Erde, Malvenblütenblätter, Löwenzahnfotos, Portraitfotos, Sprachbilder

Die Umsetzung und Ausführung dieser Arbeit zog sich über drei Jahre hin. Häutungs- und Wandlungsprozesse, die in der Verarbeitung ihre Zeit brauchten.

Metamorphosen

Detail
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Pflasterhaut

Metamorphosen
Heftpflasterstreifen verwoben
ca. 130 x 110 cm, 2006
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Nach Brennesselhemd und Stacheldrahtmantel war es naheliegend, eine "verbundene Haut" - eine "Pflasterhaut" zu weben. Unter all den Heftpflasterpaketen welche mein Ausgangsmaterial bildeten, befand sich eines, dessen Herstellungsdatum schon längere Zeit zurücklag; das Pflaster hatte eine dunklere Färbung angenommen. Wie gehe ich mit dem um, was mir zu-fällt?
So bildete sich aus der ursprünglichen Idee die jetzige Gestalt heraus: die dunkel gefärbten Pflasterstreifen ziehen sich in Kreuzgestalt über die empfindsam-verletzliche Stelle des Herzens.
Dem Motiv " einer verletzlichen Stelle" begegnen wir auch in Mythologien und Sagen; interessanterweise wird sie uns gerade bei den Helden – nahezu unverwundbar – vor Augen geführt: Siegfried, wurde nach seinem Bad im Drachenblut unverwundbar – bis auf jene Stelle auf welche ein Lindenblatt gefallen war. Und Achilleus, von seiner Mutter in das Wasser des Flusses Styx getaucht, um ihn unverwundbar zu machen, hatte seine verletzliche Stelle dort, wo ihre Hand ihn gehalten hatte – seine Achillesferse.

Metamorphosen

Detail
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Reisemantel Estland

Metamorphosen
Estnische Kroonen
ca. 140 x 110 cm, 2010/11
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Ich muss gestehen, seitdem ich den 10 Krooni Schein vor Jahren zum ersten Mal sah, habe ich mich ein wenig verliebt: ich finde ihn ausgesprochen schön gestaltet; er zeigt auf der Rückseite die Tamme Lauri Eiche in Urvaste – und wenn man dann noch "Eichin" heißt, muss man die Dinge tun, die man tun muss!
Der "Reisemantel Estland" besteht aus Bändern von genähten und dann verwobenen 10 Kroonen Geldscheinen, welche nun der Vergangenheit angehören, da Estland im Januar 2011 auf den Euro umgestellt hat. Reisende mit leichtem Gepäck: beim Bäcker trenne ich einen der vernähten Scheine ab und bezahle damit meine Brötchen. Im Bahnhof finde ich beim Kauf der Zugfahrkarte meine Schere nicht, was den Unmut der hinter mir Wartenden hervorruft.
Nebst der humorvollen Betrachtungsweise: der "Reisemantel" ist aus bedruckten Papierstücken gefertigt, welche mit der Nähmaschine aneinander genäht wurden. Wir uns darauf geeinigt, dies "Geld" zu nennen und demselben einen realen Wert beizumessen. Fragen bezüglich des Wertes unseres "Papier-Geldes" sind in diese Hülle hineingewoben, Fragen nach der "Materie Geld" als Projektionsfläche unserer Wünsche, Fragen nach Stagnation und dem Geld-Fluss.

"Wenn wir an das Geld glauben, spielt es keine Rolle, ob es die Gestalt von Münzen, Scheinen, steinernen Rädern, Getreide, Tabak, Zähnen oder Federn hat… Wir müssen an seinen Wert glauben, bevor wir es als Zahlungsmittel annehmen. Im weitesten Sinne ist Geld ein Kommunikationsmittel… Man kann auch sagen, Geld sei Energie oder ein Aktionspotential... Beim Geld geht es nicht nur um die finanziellen Transaktionen von Individuen, Firmen oder Staaten, sondern auch um die tieferen Fragen, wie Lebensenergie eingesetzt wird, wie die Menschen miteinander leben." Aus T. Crawford; Das geheime Leben des Geldes

Metamorphosen

Detail
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Nesselhemd

Metamorphosen
Brennesseln geklopft und verwoben
ca. 110 x 70 cm, 1997
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]

Im Märchen "Die wilden Schwäne" von Hans Christian Andersen lesen wir:

"Deine Brüder können erlöst werden! … Siehst Du die Brennesseln, die ich in meiner Hand halte? Von derselben Gattung wachsen viele um die Höhle, in welcher Du schläfst ...
Brichst du nun die Nesseln, so erhältst du Flachs, aus dem du elf Panzerhemden mit langen Ärmeln flechten und binden musst; wirf diese über die elf Schwäne, so ist der Zauber gelöst. Aber sei dessen eingedenk, dass du von Beginn bis Beendigung dieser Arbeit… nicht sprechen darfst. … Merke dir dies alles!"

Ich hatte von der Herstellung von feinem Tuch aus Nesseln gehört, welches durch seine große Dichte und den edlen Glanz begehrt war. In die Bilderwelt des Märchens eintauchend, wusste ich jedoch, dass in jener Waldabgeschiedenheit kein Webstuhl gestanden hätte, um die Hemden anzufertigen. Wie hätte Elise mit einfachsten Mitteln ein Nesselgewebe in Hemdenform anfertigen können?
Langstielige Brennesseln klopfte ich zwischen zwei Steinen flach und verwob die Stängel zu einem Kreuzgewebe. Während des Arbeitens musste ich die faserigen Stile immer wieder anfeuchten, um ihre Geschmeidigkeit zu bewahren und sie vor dem Brechen zu schützen; später getrocknet erwies sich das Nesselhemd als ausgesprochen haltbar und widerstandsfähig.

Metamorphosen

Detail
[Zum Foto-Vergrößern auf das Bild klicken]