Wie Dich selbst

Ein bestückter Pflegewagen zeigt sich dem Betrachter. Alles wurde vorbereitet, um einen bettlägerigen Menschen zu waschen. Erst auf den zweiten Blick ist ein verändertes Detail erkennbar: In der wassergefüllten Wasch-Wanne befindet sich ein Spiegel.
Als Endlosband finden sich darauf die Worte:
... Deinen Nächsten wie Dich selbst ... Deinen Nächsten wie Dich selbst ...
(Im Neuen Testament findet sich der Vers: "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.")

Wie Dich selbst

Installation zur Ausstellung "PflegeKunst"; Wandersausstellung 2004-14
Schirmherrschaft: Sozialministerium BW und DRK
Pflegewagen, Waschschüssel mit bedrucktem Spiegel, Wasser, diverse Pflegeutensilien
100 x 69 x 50 cm

Bevor ich Kunst studierte, erlernte ich den Beruf der Krankenpflege. Erfahrungen in Krankenhäusern, der Altenpflege, der Psychosomatik und Psychiatrie.
In der Kranken-Pflege zu arbeiten beinhaltet, dass viele der täglichen Erfahrungen sich in "Grenzbereichen unseres Menschseins" bewegen: Schutzbedürftigkeit, Intimität, Scham, Hilflosigkeit, Hoffnung, Heilungsprozesse, Loslassen, körperliche und mentale Einschränkungen, Schmerzen, Sterben und Tod.

Die Arbeit in diesem Spannungsfeld, verbunden mit engen Zeitvorgaben und einer dünnen Personaldecke führt oft genug an eigene Grenzen – oder auch darüber hinaus. Mein Spiegelbild, welches sich im klaren Wasser der Waschschüssel zeigt, verweist auch auf jene Augenblicke des Innehaltens, in denen ich meine Befindlichkeit wahrnehme, meine Menschlichkeit, meine Ansprüche und Erwartungen: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst ... wie Dich selbst".

Seit 2004 ist die Ausstellung "Pflegekunst" an wechselnden Orten in Europa zu sehen.

siehe auch Pflegekunst Katalog